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Panorama

Der Weg in eine neue Welt

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Es scheint alles so weit entfernt, kaum vorstellbar, aber trotzdem aktuell und doch wenig thematisiert – seit über 30 Jahre ist Deutschland wiedervereinigt.

Berlin, 13. August 1961: Grenzpolizisten sperren die Verbindungsstraßen zwischen sowjetischen Sektor und West-Berlin. Schnell entstehen Barrikaden aus Stacheldrahtzaun, der Verkehr über die Grenze ist abgebrochen. In den darauffolgenden Wochen wird unter Bewachung der Stacheldraht durch eine Mauer aus Betonplatten ersetzt. Diese Mauer soll für 28 Jahre Deutschland in die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten spalten.

 

„Zwischen der sozialistischen DDR und der imperialistischen BRD gibt es keine Einheit und wird es keine Einheit geben. Das ist so sicher und so klar wie die Tatsache, dass der Regen zur Erde fällt.“
- Erich Honecker

Zum Scheitern verurteilt

Wie auch in der Sowjetunion belastete die Planwirtschaft die DDR. Das Warenangebot war nicht ausreichend: Schlange stehen, tauschen und improvisieren gehörten zum Alltag. Auf manche Produkte musste lange gewartet werden. Die Lieferzeit für ein Pkw Trabant betrug in den 1970er-Jahren 17 Jahre. Die Regierung der DDR bestimmte sowohl die Arbeitswelt als auch viele private Lebensbereiche der Bürger:innen.

Stasi

Das Ministerium für Staatssicherheit (auch Stasi genannt) war der Geheimdienst der DDR. Die Bevölkerung wurde beobachtet und Telefonate abgehört. „Staatsfeinde“ sollten aufgespürt  werden um das Regime zu schützen. Bürger:innen wurden weggesperrt und  die Presse zensiert. Heute können die Ermittlungsakten der Stasi eingesehen werden. 
 

Die Reformpolitik des neuen Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Michail Gorbatschow, führte zum Ende des Ostblocks. In Staaten wie Polen und Ungarn setzten Veränderungen ein. Dadurch war die Existenz der DDR bedroht und die DDR-Führung wendete sich vom Reformkurs ab. Für viele gab es nur einen Ausweg: Die Flucht. Massen von DDR-Bürger:innen flohen über Ungarn und  Österreich in die BRD.

„Friedliche Revolution“

Die Unzufriedenheit in der DDR wuchs. In Leipzig begannen nun die sogenannten Montagsdemonstrationen, an denen Woche für Woche mehr Menschen teilnahmen. Vor den Feiern zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 wurden die Demonstrationen niedergeschlagen und Demonstranten verhaftet. 
Bei den Feierlichkeiten ist auch der sowjetische Staatspräsident Gorbatschow anwesend und forderte die DDR-Regierung deutlich auf, Reformen durchzusetzen. So wie im Rest des Ostblocks.

Am 4. November 1989 erreichte die Demonstrationswelle in Ost-Berlin ihren Höhepunkt: Über eine halbe Million Menschen demonstrierten für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und freie Wahlen. Immer wieder riefen sie „keine Gewalt“. 

„Das tritt… Meiner Kenntnis nach ist das sofort… Unverzüglich“ – diese verwirrten Worte stammten von Günther Schabowski, ein damaliges SED-Mitglied. Auf einer internationalen Pressekonferenz am 9. November 1989 verkündete er eine neue Reisegesetzgebung der DDR. Diese sieht vor, dass Reisegenehmigungen in die Bundesrepublik kurzfristig erteilt werden. Seine planlose Antwort löste eine rasante Welle aus – Zehntausende Bürger:innen strömten zur Mauer. Die Bilder sind bekannt: Menschen stehen jubelnd auf der Mauer, Ost- und Westdeutsche liegen sich in den Armen. 
 

Ein langer Weg zur Einheit

Mit der Öffnung der Mauer allein war Deutschland aber noch nicht vereinigt. Ein weiteres Ziel war eine schnelle Einführung der Marktwirtschaft in der DDR und die Vereinigung mit der BRD durchzusetzen. Das System der BRD sollte auf das der DDR übertragen werden. Die gesamte Wirtschaft der DDR wurde mit einem Schlag der Konkurrenz des westlichen freien Marktes ausgesetzt. Zusätzlich belastete die Einführung der D-Mark die Wirtschaft in der der DDR, und brach letztendlich zusammen. Immer mehr DDR-Bürger:innen zogen in den Westen. 

Nach über 40 Jahren, am 3. Oktober 1990, endete die deutsche Teilung. Die Mauer war mehr als nur ein Symbol für die Teilung Deutschlands -  Sie war das Symbol für die Teilung Europas und der Welt. Ihr Fall steht daher auch für den Beginn eines vereinten Europas und das Ende des Kalten Krieges. Für Deutschland schließlich stellte das Ereignis auch den Beginn eines neuen inneren Selbstverständnisses und einer neuen Rolle in der Welt dar. 
 

2+4=1

Der so genannte „Zwei-Plus-Vier-Vertrag“ betraf die BRD, DDR und die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs (USA, Frankreich, England und Sowjetunion). Die Siegermächte gaben Deutschland die volle Souveränität und stimmten der Einheit zu. Die DDR trat der BRD bei und im Dezember 1990 gab es eine gesamtdeutsche Bundestagswahl. 

Die Grenzöffnungen in Ungarn, die friedliche Revolution in der DDR und schließlich die Deutsche Wiedervereinigung wären ohne die Politik Gorbatschows und die Haltung der Sowjetunion undenkbar gewesen.  Bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR sprach er sich klar für eine Veränderung der DDR aus. Er verlangte die Umsetzung „seiner“ Reformen. Anders als die sowjetische Führung vor Gorbatschow, sandte er keine Truppen in die DDR, um die Demonstrationen zu stoppen und machte so den Weg in die Einheit frei.