Panorama

Zwischen Lernen und Scrollen: das Handy siegt, oder?
Klausurenphase: Die Bücher sind zum Lernen aufgeschlagen, der Mauszeiger blinkt als mahnendes Zeichen auf dem leeren Word-Dokument und erinnert an die bevorstehende Arbeit. Eine Stresssituation für die meisten Studierenden. Gleichzeitig lockt das Handy auf dem Schreibtisch mit schneller Unterhaltung, Nachrichten von Freunden und dem Social Media Feed. Der hat sich sicherlich aktualisiert in den zwei Minuten, in denen man ins Buch geschaut hat.
In einer Studie der IU Internationale Hochschule aus dem Jahr 2024 gaben 63,3 % der Befragten im Alter von 16 bis 25 Jahren an, dass sie das Smartphone am meisten vom Lernen abhalten würde. Aber warum ist das Handy ein solcher Ablenkungsfaktor?
FOMO, Belohnungen und „Endless Scrolling“
Der Drang, den Social-Media-Feed zu aktualisieren oder die Nachrichten zu checken, kann auf die Angst etwas zu verpassen hindeuten, auch FOMO (Fear of Missing Out) genannt. Diese Angst wird durch eine falsche Erwartungshaltung an den Alltag erzeugt, indem Freunde und Fremde in den sozialen Medien immer nur die aufregendsten Momente ihres Lebens zeigen. Nicht nur der Wunsch, an dem Geschehenen selbst teilzunehmen, hält Verwender:innen in den Apps oder auf Webseiten, sondern auch das eingebaute Belohnungsprinzip von sozialen Medien. Beiträge, die einem gefallen, führen zu einem Ausschuss von Glückshormonen, genauso wie positive Kommentare und Likes. Dadurch wird eine Suchtspirale aufgebaut, die durch technische Funktionen wie dem „Endless Scrolling“ verstärkt wird. „Endless Scrolling“ findet man zum Beispiel auf Instagram oder TikTok. Hier werden neue Inhalte automatisch durch einfaches Wischen über den Bildschirm geladen. Die Seite scheint kein Ende zu haben. Neugier und die Möglichkeit, dass ein nächster Beitrag zu einem erneuten Ausschuss von Glückshormonen führt, halten Nutzende in der Anwendung fest.
Handy nutzen gegen Handynutzung
Das Smartphone muss kein Fluch sein. Es kann sogar die Antwort auf die Probleme sein, die es selbst erzeugt. Eine der einfachsten Lösungen ist, die Bildschirmzeit einzuschränken. Dies geht bei den meisten Handys über die Einstellungen. Darüber hinaus gibt es Apps wie „Forest“, die die Einschränkung der Bildschirmzeit mit einem Belohnungsprinzip verbindet. In jeder Phase der Konzentration wird ein Baum gepflanzt, der immer weiter wächst. Wenn man eine solche Phase unterbricht, um Apps wie Instagram zu öffnen, vertrocknet der Baum allerdings. Die Belohnung fällt weg. So werden Prinzipien, die einen an das Handy fesseln, umgekehrt und können sogar für mehr Produktivität sorgen.
In einer Studie des Digitalverbands Bitkom von Dezember 2024 gaben ein Drittel der Deutschen an, im Jahr 2025 einen Digital Detox, also einen teilweisen bis kompletten Verzicht auf digitale Geräte, durchführen zu wollen. Dies ist eine sehr viel ausgeprägtere Form der Einschränkung, als die Bildschirmbegrenzung, zeigt jedoch, dass viele Menschen in ihrer Nutzung von Smartphones und anderen Geräten ein Problem sehen.


Fokus setzen statt ablenken lassen
Obwohl das Handy eine der größten Ablenkungen im Leben von Studierenden ist, muss es nicht die Produktivität einschränken. Kennt man einmal die Mechanismen, die an das Smartphone binden, kann man sie umkehren und durch Strategien wie Belohnungssysteme zur Förderung der eigenen Konzentration verwenden. So bleibt der Mauszeiger nicht ewig mahnend auf dem leeren Dokument, während das Handy mit einer Dosis Glückshormonen lockt, sondern der Fokus liegt da, wo er hingehört: beim Lernen.